Selektion von Bienen auf fehlende Milbenreproduktion (MNR)

Die Selektion von Bienen mit Merkmalen, die die Fortpflanzung von Varroa verhindern (MNR, mite non-reproduction), war Gegenstand zahlreicher mehrjähriger Untersuchungen an unterschiedlichen Bienenpopulationen und Generationen.
Unser Programm untersuchte anhand von neun Generationslinien, ob Bienen, die verhindern, dass Varroa fortpflanzungsfähige Nachkommen erzeugt, vorhanden sind und sich züchterisch vermehren lassen; die Ursachen wurden dabei nicht untersucht. Die MNR-Werte der Mutterköniginnen und ihrer Nachkommen wurden über mehrere Jahre nach einem festgelegten Protokoll erfasst.
Die Königinnen der Tochtervölker wurden stets mit Drohnen derselben Linie verpaart, außer in den Gruppen 1 und 5, in denen Drohnen aus zwei verschiedenen Völkern zur instrumentellen Besamung eingesetzt wurden. Von den 56 untersuchten Tochtervölkern zeigten 39 % (n = 22 Völker) und 51 % (n = 29 Völker) höhere MNR-Werte als ihre Mütter. In einigen Linien hatten sämtliche Völker mit Tochterköniginnen höhere Werte als die Mütter, in anderen durchweg niedrigere. Die Töchter verbesserten das Merkmal typischerweise bei niedrigen MNR-Werten der Mütter und verschlechterten es bei hohen Werten.
Die Verbesserung der MNR bei den Töchtern reichte von 0 bis 100 %. Muttervölker mit hohen MNR-Werten wiesen in der nächsten Generation jedoch tendenziell niedrigere Werte auf. Über die Selektionsjahre hinweg wurde keine beständige Verbesserung dieses Merkmals erreicht, obwohl jährlich Völker mit hohen MNR-Werten gefunden wurden, die keiner bestimmten Linie zugeordnet waren. Zwischen den MNR-Werten der Tochterköniginnen und denen ihrer jeweiligen Mütter wurde kein Zusammenhang festgestellt. Ziel von Selektions- und Zuchtprogrammen ist es, erwünschte Merkmale in einer Population zu festigen, damit die Nachkommen diese vorhersehbar ausprägen (Dekkers 2012).
In dieser Studie konnten wir zeigen, dass in jeder Generation Völker mit hohen MNR-Werten zu finden sind. Außerdem zeigten wir, dass Völker mit niedrigen MNR-Werten durch Kreuzung mit leistungsstarken Drohnen in der folgenden Generation verbessert werden können. Wir zeigten jedoch auch, dass diese erwünschten Merkmale bei den Tochtervölkern trotz identischer Verpaarungsbedingungen stark schwanken (mit Drohnen derselben Herkunft). Aufgrund dieser hohen Variabilität ist es sehr schwierig, Linien mit hohen MNR-Werten zu erhalten. In jeder nachfolgenden Generation ist deshalb eine kostspielige und zeitaufwendige Bewertung der MNR-Merkmale der Tochtervölker erforderlich.
Ein niedriger MNR-Wert lässt sich nachweislich in der nächsten Generation verbessern; ein hoher Wert schwankt in der nächsten Generation jedoch stark und ist somit nicht stabil. Anders ausgedrückt: MNR ist kein Merkmal, das allein durch die Kombination von Mutter- und Vatervölkern in einer Zuchtpopulation gefestigt werden kann. Über mehrere Linien hinweg zeigten wir, dass keine stetige Steigerung und beständige Verbesserung möglich ist (Abb. 1), weshalb eine Stabilisierung auf hohen Werten schwierig ist. Folglich müssen in jeder Generation zahlreiche Töchter auf MNR geprüft werden, um die wenigen Völker mit hohen MNR-Werten zu finden, die dieses Merkmal weiterhin zeigen.
Ein hoher MNR-Wert garantiert keinen hohen Wert in der nächsten Generation. Verbesserte, hochwertige Völker sind möglich, lassen sich aber nur durch Prüfung der Völkerfamilien in jeder Generation finden.
Nach The selection traits of mite non‐reproduction (MNR) and Varroa sensitive hygiene (VSH) show high variance in subsequent generations and require intensive time investment to evaluate - Lina Sprau et al. Apidologie (2024) 55:68 © The Author(s), 2024



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